„Scheitern ist nicht immer einfach“ – Bloggerin Simone Mitterer im Interview

Simone Mitterer ist Musikbloggerin und schreibt für das Magazin Good Because Danish. Wir haben mit Simone darüber gesprochen, wie sie zum Bloggen gekommen ist und welche Stolpersteine sie in der Vereinbarkeit von Vollzeitjob und dem Schreiben sieht.

Wie begann deine Liebe zur Musik und zum Bloggen darüber?
Meine Liebe zur Musik begann schon recht früh – mit 11 war ich auf meinem ersten Konzert. Seitdem hat sich die Freude an der Musik immer weiterentwickelt. Zum Glück auch der Musikgeschmack. Eine wichtige Inspiration war für mich auch, dass ich früher sehr viele Brieffreundinnen aus der ganzen Welt hatte. Dabei war es immer ein besonderes Highlight, wenn dem Brief ein ganz persönliches Mixtape beigelegt war. So hatte ich schon früh – und es war ja noch die Zeit vor dem Internet – viel Musik aus dem Ausland kennenlernen dürfen.
Dass sich die Liebe zur Musik ins Bloggen darüber verwandelt hat, war dann tatsächlich eher Zufall. Ich habe bei einem Stockholm-Urlaub eine dänische Band – Turboweekend – gehört und war dann so begeistert, dass ich anfing, mich mehr mit dänischer Musik zu beschäftigen. Als dann GoodbecauseDanish neue Autoren gesucht hat, war es eine schöne Möglichkeit, die Musik und das Schreiben zu verbinden.

Hattest du in deiner Zeit als Musikbloggerin schon mal das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden?
Ja, doch, leider schon. Ich habe beruflich selbst sehr viel mit Bloggern gearbeitet – aus dem Food-, Travel- und Fashion-Bereich. Diese Influencer werden meist sehr hofiert. Da ist die Musik sicher eher ein Außenseiter-Thema. Leider sehe ich auch oft, dass Musik durch den einfachen Zugang den man heute dazu hat, für viele oft nicht mehr den selben Stellenwert hat. Die lange Vorfreude auf das nächste Album der Lieblingsband gibt es in dieser Form nicht mehr so, man klickt dann einfach schnell auf die nächste Playlist. Darum passiert es mir sogar relativ oft, dass man die eigene Liebe zur Musik und warum man darüber schreiben möchte erst einmal erklären muss.

Gab es Situationen, in denen du fast aufgegeben hättest oder dir kleine oder große Stolpersteine im Weg lagen?
An Aufgeben habe ich zum Glück noch nicht wirklich gedacht. Es kommt aber schon ab und zu vor, dass sich das Bloggen schwer mit dem „Hauptberuf“ vereinbaren lässt. Ich bin beruflich viel unterwegs und stark eingespannt, da ist es oft nicht einfach, sich nebenbei wirklich auf neue Musik einzulassen. Zum Glück sind wir ein starkes Team, sodass wir uns gegenseitig sehr gut unterstützen und zeitliche Engpässe bei jedem einzelnen gut ausgleichen können.

Welche Frau inspiriert dich?
Keine leichte Frage – da es viele Frauen gibt, die in einzelnen Bereichen sehr inspirierend sind. Zwei Frauen, die mich sehr beeindrucken kommen erstaunlicherweise gar nicht aus der Musikszene. Die eine ist Siri Hustvedt, deren Romane mich sehr gesprägt haben und deren Art sich mit psychologischen, aber auch gesellschaftlichen Themen auseinanderzusetzen, mir sehr gefällt. Eine zweite Frau, deren Energie und Zuversicht ich sehr faszinierend finde ist Aino Laberenz, die Ehefrau des verstorbenen Künstlers Christoph Schlingensief. Wie sie nach seinem Tod sein Lebensprojekt, das Operndorf in Afrika, vorantreibt ist für mich sehr inspirierend.

Auf welchen Erfolg in deiner Laufbahn bist du besonders stolz?
Auf etwas stolz zu sein ist immer schwierig für mich – aber ich denke, wenn ich überlege, worüber ich mich in meiner Laufbahn besonders freue, dann ist es, dass ich den Mut hatte, etwas zu studieren – Kulturgeschichte – was mich interessiert hat und nicht dem Mainstream entsprach. Auch, wenn es nicht immer die besten Chancen versprach.
Im Bezug auf Musik war eines der großen Highlights mein Interview mit Lydmor&Bon Homme. Das Gespräch mit den beiden charismatischen dänischen Künstlern war ein ganz großes Zeichen für mich, dass die Arbeit, die wir bei GoodBecauseDanish machen, wirklich gut angenommen wird.

Was fasziniert dich an dänischer Kultur?
In Dänemark bin ich immer wieder begeistert von der Vielfalt, aber auch der Selbstverständlichkeit von Kultur und Kunst. Ich empfinde es so, dass Kunst, Architektur oder auch Musik dort viel fester im Alltag und in der Kultur verankert sind als in Deutschland. Zudem gefällt es mir immer wieder besonders, wie sich Alt und Jung dort bei Konzerten ganz selbstverständlich mischen.

Glaubst du, wir könnten von den Dänen noch etwas lernen – z.B. beim Thema (Familien-)Politik oder Geschlechtergleichstellung?
Ja, ich denke, da können wir noch viel lernen. Sei es bei der Arbeitskultur oder auch dass das Thema Familie viel höher aufgehängt wird als hier. Da können wir uns noch einiges abschauen.

Vervollständige folgende Sätze:

Scheitern ist für mich… ehrlicherweise nicht einfach. Aber mit zunehmendem Alter immer auch einfacher als ein Moment des Lernens zu verstehen.
Gründerinnen sind für mich… mutig und inspirierend.
Mich motiviert/inspiriert… der ehrliche, offene und unaufgeregte Austausch mit anderen Menschen, von dem man viel lernen kann.

Ich möchte Frauen, die in meiner Branche arbeiten, mit auf den Weg geben… sich nicht entmutigen zu lassen, und auch in einer Zeit, in der man oft nur etwas zu zählen scheint, wenn man Technologe oder Business-Experte ist, sich selbst treu zu bleiben.

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