„Vertraut auf eure Fähigkeiten!“ – Josephine Mark a.k.a. Puvo Productions im Interview

Josephine Mark (Foto © Volly Tanner) ist Illustratorin, Grafikerin und Cartoonistin und hat sich unter dem Label Puvo Productions bereits 2004 selbstständig gemacht. Am liebsten zeichnet sie Hunde, Füchse und Bären, aber Raumschiffe mischen sich auch ab und zu unter. Ihr Stil ist geprägt von einem leichten Strich, einem hintergründigen Humor und subtiler Melancholie. Und wenn alles gut läuft, veröffentlicht Josi Ende 2019 sogar ihren ersten eigenen Comicroman.

Wie begann Deine Liebe zu Comics?

Die begann tatsächlich ganz ostkind-typisch mit den Mosaikheften. Nach der Wende hab ich mir dann jede Woche die „Micky Maus“-Hefte gekauft. Später hab ich jedoch viele Jahre gar keine Comics gelesen – und dann ging es irgendwann plötzlich wieder los. Einen großen Beitrag daran haben ich meine Eltern, vor allem mein Papa, der mir seit ein paar Jahren jedes Jahr zu Weihnachten ein bis zwei Comics schenkt, über die er gute Kritiken gelesen hat oder die mir gefallen könnten. Das ist echt toll und erweitert meinen eigenen Horizont enorm. Als passionierten Comicleser würde ich mich aber nicht bezeichnen, also einen, der jede Woche ein Buch verschlingt oder Alben sammelt… dazu fehlt mir einfach die Zeit. Ich will ja selber Comics machen!

Was war dein bisher schönstes Erlebnis in deiner Karriere?
Ach, das ist eigentlich irgendwie jeder „Meilenstein“: Die erste Ausstellung, die ersten 1000 Abonnenten auf Facebook, das erste Mal von einem Verlag „entdeckt“ zu werden. Diese „ersten Male“ sind immer wieder ganz besondere Momente, die mich sehr glücklich machen.

In diesem Jahr war das Schönste Erlebnis der Comicsalon in Erlangen, auf dem ich viel positive Rückmeldung erhalten hab zu dem Comic, an dem ich derzeit arbeite und der auf dem Salon in Auszügen zu sehen war. Das war wirklich ein besonderes Erlebnis: So viele nette Worte, auch von Zeichnern, deren Arbeit ich selbst sehr bewundere – das hat mir viel Kraft und Zuversicht gegeben.

Gab es Situationen, in denen Du fast aufgegeben hättest oder dir große Stolpersteine im Weg lagen?

Selbstzweifel sind mein größtes Hindernis, aber Aufgeben ist mir eigentlich nie in den Sinn gekommen. Jedenfalls nicht, sobald ich endlich das Ziel ausgemacht hatte: von meiner Kreativität und meinen Fähigkeiten leben zu können. Schwierig war es eher in der Anfangsphase, als ich noch nicht so wirklich benennen konnte, wohin ich mit meiner Energie eigentlich will und wie ich meine Talente und Interessen nutzen möchte.
Aber es ist schon eine echte Entscheidung, die man da treffen muss: Einerseits selbstständig zu arbeiten, andererseits auch Kunst zu machen im weitesten Sinne. Ich denke nicht, dass das ohne Kompromisse geht. Finanzielle Unsicherheit, vernachlässigtes Privatleben, Selbstzweifel… aber Stolpersteine sind ja schon auch wichtig, damit man nicht träge wird und immer weiter klettert

Hast Du ein (künstlerisches) Vorbild?
Da fällt mir jetzt keine einzelne Person ein. Es gibt viele Menschen aus unterschiedlichsten Bereichen, deren Arbeit ich sehr schätze und meine eigene Arbeit beeinflussen. Bei den Zeichnern zum Beispiel Mateusz Skutnik, ein polnischer Comickünstler mit einem tollen Strich und schicker Aquarelltechnik. Dann Niklas Mahler für seinen phänomenalen Humor und Minimalismus. Yuko Shimizu für ihre unglaubliche Disziplin und detaillierten Tuschezeichnungen. Und (ganz andere Sparte) Joss Whedon für sein Storytelling und seine starken Charaktere. Mittlerweile inspiriert mich aber wirklich so viel, da kann man nicht mal in Ruhe Film gucken ohne zu denken „Hui, die Figurenentwicklung ist ja cool gemacht!“

Auf welchen Comic bist Du besonders stolz und was unterscheidet ihn von anderen?
„Stolz“ ist für mich ein eher schwieriger Begriff, aber es gibt schon ein paar Arbeiten, da bin ich wirklich überrascht, wie sehr sie mir auch nach langer Zeit noch gefallen. Das betrifft vor allem ein paar Geschichten aus meiner kleinen Reihe „Impro-Freitag“. Das funktioniert folgendermaßen: In unregelmäßigen Abständen rufe ich an einem Freitag über meine Social-Media-Kanäle zur Ideenfindung auf. Ich nenne zwei Kategorien, zu denen die Leute dann je einen Begriff vorschlagen können. Und daraus wähle ich dann eine Kombination und mache einen Cartoon oder einen Kurzcomic. So sind zum Beispiel schon Geschichten zum Thema „Schäfer und Heliumballon halten“, „Avocado und Relativitätstheorie“ oder „Batman und Hundekacke“ entstanden.
Das Besondere an diesen Comics ist, dass ich zum einen oft in Reimform texte (was ja eher unüblich ist und daher nicht ganz unproblematisch, da viele Leute auf „Gedicht„ einfach keine Lust haben oder es zu sehr an Wilhelm Busch erinnert) und zum anderen dem Ganzen immer noch einen philosophischen Dreh geben will oder irgendwie zum Nachdenken anregen.
Trotzdem funktioniert es oft erstaunlich gut und ich hab festgestellt, dass ein schöner Reim tatsächlich ganz viel Emotion transportieren kann ohne kitschig oder wilhelm-buschig zu wirken.

Was ist die Geschichte hinter deinem neuen Comic?

Der Comic, an dem ich aktuell arbeite, ist mein allererster Comicroman. Mit über 100 Seiten ein richtige Buch also…

Die Idee dazu habe ich im September 2017 für das Comiczeichnerseminar in Erlangen entwickelt. Eigentlich dachte ich, es würde eine 12seitige Geschichte, die ich in der Woche Seminar fertig bekomme. Allerdings entpuppte sich das dann als grobe Fehlkalkulation. Unter Leitung von Birigt Weyhe und Flix, zwei menschlich und künstlerisch wirklich tollen Comiczeichnern, habe ich dann in einer Woche dort das Storyboard für 106 Seiten geschrieben. Das heißt, das komplette Buch von vorn bis hinten in Skizzenform gezeichnet.

Das ist für mich der schönste, aber auch schwierigste Teil, weil man hier alle Entscheidungen trifft und sein Comic quasi zum ersten Mal komplett aus dem eigenen Kopf herausmeißelt.

Und seitdem arbeite ich daran: Reinzeichnung, Kolorierung, Lettering. Das dauert, vor allem, wenn es noch viele andere Projekte nebenher gibt. Aber ein Ende ist in Sicht und ich freu mich schon sehr auf das Ergebnis.


Ab wann und wo kann man deinen Comic lesen und bestaunen?
Ich werde die Arbeit daran in diesem Jahr abschließen und bin parallel auch schon auf Verlagssuche. Da sind also noch viele offene Fragen, aber wenn ich mir was wünschen dürfte dann würde ich das Buch gerne bis Ende 2019 in Händen halten.

Vervollständige folgende Sätze:

Scheitern ist für mich… keine Option solange ich weiß, in welche Richtung ich will.
Ich bin gerne selbstständig, weil… es das Leben sehr spannend und fordernd macht.
Mich motiviert/inspiriert… das Gefühl, eine gute Idee zu haben, die ich unbedingt umsetzen will.
Ich möchte Frauen, die in meiner Branche arbeiten, mit auf den Weg geben… liebt was ihr tut, seid fleißig, seid geduldig, seid mutig und vertraut euren Fähigkeiten!

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